
Ferien einmal anders
Mit dem Schweizer Bauorden in Rumänien
Schon seit gut zwei Stunden schaufelt der Informatiklehrling Samuel an diesem Morgen einen gut 50 cm tiefen Graben im Hinterhof eines heruntergekommenen Gebäudes. Sein Kollege Andreas, Logistiklehrling bei den SBB, lässt derweil den Pickel ins Erdreich sausen, um den Boden etwas aufzulockern. In Reichweite macht sich der Maschinenbaustudent Pius daran, mit einer Trennscheibe Armierungseisen zuzuschneiden. Zusammen mit 16 anderen Jugendlichen aus dem Raum Zürich nehmen die drei teil an einem zweiwöchigen Baulager in Aleşd, einer Kleinstadt im Nordwesten von Rumänien, gut 50km östlich der ungarischen Grenze. Organisiert wird das Lager vom Schweizer Bauorden, der mit diesen freiwilligen Helfern ein Projekt des lokalen Pfarrers unterstützt. Ziel ist es, innerhalb von drei Jahren ein unter dem Kommunismus enteignetes und später in baufälligem Zustand wieder zurückerstattetes Gebäude wieder so herzurichten, dass dort einst Jugendliche aus entfernten Dörfern untergebracht werden und eine weiterführende Schule oder eine Berufsausbildung besuchen können.
Da keiner der Schweizer Jugendlichen im Baugewerbe tätig ist, besteht deren Aufgabe hauptsächlich aus Hilfsarbeiten. Mit Pickel und Schaufel heben sie 200 Meter Gräben aus und verlegen Sickerleitungen, um den schweren Boden zu entwässern und das Mauerwerk zu schützen. Damit dieses ambitiöse Ziel auch erreicht wird, ist auch Hans Burch mit dabei und leitet die tatkräftige Truppe an. Schon seit Beginn der 90er Jahre betreut der pensionierte Ingenieur aus Sarnen Projekte in dieser Gegend und kennt daher auch die logistischen Tücken solcher Unternehmungen. Seit der Ankunft der Schweizer Gruppe ist er vor allem darum besorgt, das nötigte Baumaterial zu organisieren, Ersatz für zerbrochenes Werkzeug zu finden, daneben misst er Gefälle und überwacht die Produktion von Sickerrohren, da man diese hier nicht kaufen kann. Verschiedentlich fährt er auch in die nahe gelegene Stadt Oradea, um dort das benötigte Material aufzutreiben. Trotz vorgängiger Abklärungen und Zusicherungen gibt es aber auch für einen „alten Hasen“ wie Burch immer wieder Überraschungen. Wenn Schotter beispielsweise nicht wie vereinbart am gewünschten Tag angeliefert wird, kann dies den ganzen Einsatzplan durcheinander bringen.
Alljährlich organisiert der Internationale Bauorden (IBO) für gut 2500 junge Erwachsene solche Lager, um Gemeinschaftseinrichtungen und Wohnhäuser für Bedürftige zu errichten oder zu renovieren. In den letzten Jahren betreuen die Gruppen auch vermehrt Behinderte und Notdürftige. Gegründet wurde der Bauorden 1953 vom holländischen Ordensmann Werenfried van Straaten, um in den Nachkriegsjahren Studenten zu motivieren, Flüchtlingen und Vertriebenen beim Bau von Eigenheimen zu helfen. Seither haben europaweit über 350‘000 Freiwillige einen solchen Einsatz geleistet. Neben bunt zusammengewürfelten Gruppen, bei denen man sich zuvor nicht persönlich kennt, verbringen gelegentlich auch Sanitär- oder Dachdeckerlehrlinge einen Teil ihrer Ferien, um beispielsweise in einem osteuropäischen Kinderheim fachmännisch Toiletten und Duschen zu reparieren oder ein Dach abzudichten. Gemäss Urs Bachmann, dem Verantwortlichen für die Koordination der Gruppen aus der Schweiz, sind die Rückmeldungen der Beteiligten trotz materieller Unannehmlichkeiten durchweg positiv. Die gemeinsame Arbeit für einen guten Zweck schweisse zusammen und schaffe hohen Erlebnis- und Erinnerungswert. Jährlich verpflichten sich ca. 50 Schweizer für einen solchen Einsatz. Über mehr Freiwillige würde man sich sehr freuen. Besonders willkommen sind jeweils Leute mit bauspezifischen Kenntnissen wie Handwerker oder Ingenieure; aber auch für Ungelernte findet man immer eine passende Einsatzmöglichkeit. Die Auslagen für Unterkunft und Verpflegung übernimmt normalerweise der Bauorden. Ein Teil der Reisekosten muss allerdings von den Teilnehmern selbst entrichtet werden. Ein Freiwilliger verpflichtet sich im Gegenzug während zwei bis drei Wochen zu mindestens 7-8 Stunden täglicher Arbeit unter teils schwierigen Umständen. Unterkunft und Verpflegung sind meist einfach und bisweilen gewöhnungsbedürftig – Die Kuttelsuppe sorgt bei den Jugendlichen der Gruppe aus Zürich jedenfalls für einige Erheiterung. Der Bauorden finanziert sich ausschliesslich über private Spenden und Legate. Gegenwärtig beträgt das Budget jährlich gut Fr. 350‘000.-, welches dank minimalen administrativen Aufwands vollumfänglich den Projekten zugutekommt.
Die körperliche Anstrengung der vergangenen Stunden hat dem Sekundarschüler Andreas ziemlich zugesetzt, obwohl er dies selbstverständlich nur ungern zugibt. Unzählige Schubkarren Beton hat er in den vergangenen Stunden zum künftigen Schlammsammler gestossen. Umso willkommener sind daher die leckeren Kuchen, die der Pfarrer von verschiedenen Familien erhält und zum Znüni auftischt. Die Stärkung lässt Schweiss und Muskelkater für einige Momente vergessen; man scherzt und kichert. Nach der Pause macht sich der Mittelschüler Raphael daran mit einem Hilti-Bohrer, die Zuleitung in die örtliche Kanalisation zu öffnen. Die Arbeit mit dieser Maschine bereitet ihm offenkundig Freude, auch wenn bei diesen Erschütterungen trotz Handschuhen Schwielen unvermeidlich sind. Im Hintergrund dröhnt derweil erneut der Betonmischer, damit der Schlammsammler noch vor Arbeitsschluss betoniert werden kann. Für die richtige Betonmischung sind Miroslav und Oliver verantwortlich, zwei Jugendliche aus der örtlichen Pfarrei, die tatkräftig mitarbeiten und mit denen man sich halb auf Englisch halb mit Händen und Füssen unterhält. Der kulturelle Austausch ist ein erklärtes Ziel der Freiwilligenarbeit des Bauordens. Dieser Aspekt geht zurück auf die Gründungsjahre nach dem 2. Weltkrieg, als man mit den Baulagern vor allem auch die Versöhnung einst verfeindeter Nationen fördern wollte. Nach getaner Arbeit steht daher für die Unentwegten noch einen Fussballmatch Schweiz-Rumänien auf dem Programm, der von den Gästen knapp gewonnen wird. Selbstredend ist auch der Austausch von E-Mailadressen und digitaler Nutzerprofile. Nach der Rückkehr wird so wohl manch ein Jugendlicher aus Zürich über Facebook mit den neu gewonnenen Freunden aus Rumänien in Kontakt bleiben.
Der Vergleich mit den Umständen in Zürich und die oft schockierende Armut sind für alle Teilnehmer überraschend. Die Erkenntnis, dass man als Lehrling in der Schweiz mehr verdient als ein durchschnittlicher rumänischer Arbeiter mit Familie führt denn auch zu einigen Diskussionen. Die Zigeunersiedlung am Rande des Dorfes und die dort herrschenden hygienischen Zustände stimmen die Jugendlichen ebenfalls nachdenklich und schärfen das Bewusstsein für die eigene materielle Situation und die beruflichen Perspektiven.
Über das Wochenende wird jeweils nicht gearbeitet. Einerseits erholt man sich von den Strapazen und besucht die Sehenswürdigkeiten der Gegend. Die Gruppe aus Zürich fährt daher in die nächst grössere Stadt Oradea, um dort die Bauten der Donaumonarchie zu bestaunen. Das kulturelle Interesse an historischen Zusammenhängen stösst jedoch schon bald an seine Grenzen, zu stark sind nämlich die kulinarischen Verlockungen von Pizza und Bier.
Lukas Wick

2010
20 junge Baugesellen in Ungarn
Im Zug von Zürich nach Zsambek, eine kleine Stadt 30 km von Budapest entfernt, war uns bewusst, dass wir in ein fremdes Land mit einer ganz anderen Mentalität reisen würden. Das Ausmass dessen ist aber unvorstellbar, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Unsere Gruppe bestand aus 20 jungen und abenteuerlustigen Menschen, die sich für das diesjährige Projekt des Bauordens (www.bauorden.ch) in Ungarn engagierten. Unsere Aufgabe bestand darin Sanierungs- und Renovationsarbeiten an baufälligen Gebäuden vorzunehmen. Am Montag gingen wir mit grossem Enthusiasmus an unsere Arbeit. Eine Gruppe schliff die Fenster ab um diese anschliessend zu behandeln. Die Jugendlichen der anderen Gruppe schaufelten, pickelten und schleppten Schutt aus einem Keller für einen Jugendraum in Zsambek. Schon nach einer Stunde fanden wir die einheimischen Arbeiter in der Pause. Schnell gewöhnten wir uns an die lockere Arbeitsmoral. Frauen auf den Baustelle war hingegen eine Sensation für die Einheimischen. Untergebracht waren wir im Gebäude der Berufsschule, die von den hiesigen Kreuzschwestern geführt wird. Am Mittwochabend erläuterten uns die Schwestern ihre Notwendigkeit in Zsambek um uns einen Eindruck ihrer Arbeit, der Situation und den Zuständen im Dorf und der Umgebung zu vermitteln.
Lebensbedingungen in Zsambek
Zsambek zählt 4669 Einwohner wo von 20% Romas, eine ungarische Minderheit sind. Die Schere zwischen arm und reich ist erschreckend gross. Eine Mittelschicht ist hier kaum zu finden. Interessanter Weise gibt es häufiger unter den Armen Neid und Spannungen als zwischen armen und reichen Menschen, die meistens von Budapest zugezogen sind. Es ist normal, dass die Mädchen der Unterschicht mit 14 Jahren ihr erstes Kind gebären. Nur 30% dieser Mädchen heiraten zu einem späteren Zeitpunkt den Vater dieses Kindes. Die Taufe allerdings ist hier von grösserer Bedeutung. Nur die Wenigsten besitzen eine Sozialversicherung. Auch regelmässige Mahlzeiten kann sich kaum jemand leisten. Unzählige Missstände wie Schwarzarbeit, Alkoholsucht, Arbeitslosigkeit, Prostitution, Kriminalität und Missachtung der Menschenrechte gehören in dieser Schicht zum Alltag. Die Wohnverhältnisse sind miserabel. Die Häuser, in denen oft 30 Personen auf sehr engem Raum zusammen leben, besitzen weder fliessendes Wasser noch sanitäre Anlagen oder Heizungen, welche dringend gebraucht würden.
Die Engel vom Dienst
Ein Hoffungsschimmer in dieser tristen Welt sind für diese Menschen die Prämonstratenserinnen (Kreuzschwestern). Vor 20 Jahren wagten die Kreuzschwestern einen grossen Schritt und begannen mit dem Aufbau einer Berufsschule, Maturitätsschule und einem Technikum in der Stadt Zsambek. An dieser Schule bieten sie die Ausbildung für folgende Berufe an: Tischler, Schlosser, Maurer, Näherin, Sozialbetreuerin, Koch und Kellner. Diese Berufe sind von essentieller Bedeutung für die Entwicklung der Bevölkerung. Es sind rund 60 LeherInnen angestellt, die zu grossem Teil Laienpersonen sind. Ausgebildet werden jährlich etwa 500 SchülerInnen. In den darauffolgenden Jahren erweiterten die Schwestern ihr Angebot mit Alten- und Familienbetreuung, Umschulungen und richteten für die Behinderten eine Werkstatt ein. Eine der wichtigsten Aufgaben ist das Kindertagesheim. Das Kindertagesheim bildet die Vertrauensbasis zwischen den Schwestern und den Kindern für den weitern Lebens- und Schulweg.
Finanzierung der Hilfe
Die ganze Arbeit der Schwestern basiert auf finanziellen und materiellen Spenden da sie von der Gemeinde in keinem Punkt unterstützt werden. Diese Lebensbedingungen und die finanziellen Missstände haben uns zu tiefst berührt. Dies spornt uns an die Schwestern auch in Zukunft zu unterstützen. Wir sind überzeugt, dass wir unsere Mitmenschen dazu motivieren können uns dabei zu helfen.

Kindergarten in der Provinz Lusaka – Sambia
Die Schwestern vom Heiligen Kreuz, Institut Menzingen, haben für einen Kindergarten in Sambia, Provinz Lusaka eine Unterstützung in der Höhe von 20,000 CHF von uns bekommen.
St. Mary’s Children-Hospital im Kreis Uzondu – Nigeria
Die Katholische Kirchgemeinde St. Sebastianus von Frenchen-Königsdorf hat eine Spende in der Höhe von 10,000 CHF für ein Mutter-/Kind-Krankenhaus in Nigeria bekommen.
Eine Unterstützung von 5,000 CHF wurde für die Renovationsarbeiten an den Kinderheimen Casa Livezii und Casa Prichindel in Ghimbav/Rumänien begutachtet.
Mess-Stipendien an Herrn Pfr. Gilbert Diaz – Eichberg
Der Vorstand des Schweizer Bauordens hat für Herr Pfarrer Gilbert Diaz aus Eichberg einmalig 1,000 CHF für Mess-Stipendien gewährt.
Finanzielle Unterstützung für die katholische Pfarrei in Sf. Gheorghe – Rumänien
Pater Clarence O.F.M. Cap. hat für seine Missionsarbeit in Indien eine Spene in der Höhe von 4,000 CHF bekommen.
Renovierung des St. Martinshauses, Heim für Frauen mit Kindern – Lettland
Eine Baugruppe aus der Region Wil hat das St. Martinhaus in der lettlandischen Stadt Liepaja renoviert. Das Haus ist eine Zufluchtsstätte für Frauen, die infolge einer unglücklichen Beziehung oder Zwangsprostiton Kinder auf die Welt bringen, und deshalb von ihrer Familie vestossen werden. Bis zu einem Jahr dürfen sie im Heim wohnen. Währenddessen bekommen sie Verpflegung, Windeln für die Kinder und Hilfe, sich in die Gesellschaft wieder zu integrieren.
Aufräumarbeiten eines Kellerraumes für die Schwestern von St. Peter – Bludenz
Der weitläufige Klosterkeller der Schwestern von St. Peter wurde von einer Arbeitsgruppe gereinigt, damit sie Platz für eine kommende Renovierung machen. Der Schweizer Bauorden hilft ihnen darin nicht nur mit Arbeitskraft, sondern auch mit einer Spende in der Höhe von 4,000 EURO.
Baulager in einem Zentrum für behinderte Kinder - Polen
Die Arbeitsgruppe aus Wil (SG) hat zwei Wochen lang im Zentrum für behinderte Kinder in Mikoszów/Polen die Räumlichkeiten für die ambulante Behandlung von Patienten renoviert. Das Zentrum wurde von der Celestyna-Organisation gegründet, und bietet für über hundert schwerbehinderte Kinder kostenlos Ernährung, Pflege und Unterkunft.
Renovierung eines Hauses für Waisenmädchen in Panciu – Rumänien
In der ostrumänischen Stadt Panciu wurde ein Haus für Roma-Waisenmädchen renoviert, welches ihnen ein Heim anbietet, während der Übergangsphase vom Waisenhausaufenthalt zum eigenständigen Leben.
Bauarbeit in Banja Luka – Bosnien-Herzegowina
Eine internationale Gruppe aus 16 Jugendlichen hat ein altes Haus mit sanitären Anlage errichtet.
Neubau der Schule Sainte Croix - Senegal
Der Schweizerische Bauorden hat durch die Organisation Hand für Afrika den Neubau einer Schule in der Stadt Bambey/Senegal mit einer Spende in der Höhe von 10,000 CHF unterstützt.
Bauen und unterrichten – Albanien
Eine Arbeitsgruppe mit Teilnehmern aus verschieden Ecken der Schweiz hat bei der Gestaltung eines Sportplatzes und beim Bau eines Hauses im albanischen Dorf Pistull eine Hilfe geleistet. Die Teilnehmer haben für die einheimischen Kinder einen Englisch-, Italienisch- und Computerkurs durchgeführt.
Weiterbau des Maltesergebäude in Arad – Rumänien
Die Arbeitsgruppe aus Wil (SG) hat im Altenpflegeheim in der rumänischen Stadt Arad ihre im Jahr 2000 begonnene Arbeit weitergeführt. Sie haben den Holzboden verlegt, die Dachisolierung montiert, die Garagetore eingebaut, die Fassade geputzt und haben Hilfe bei der Sanitär- und Heizleitungsinstallationen geleistet.
Für jeden gibt es die passende Einsatzmöglichkeit. Mehr Infos finden Sie auf unserer Homepage.
Gerne geben wir Ihnen auch persönlich genauer Auskunft. Benutzen Sie dazu unser
Kontaktformular.